Ein wenig überraschte der VV Humann sich selbst. Auch wenn die Essener selbstbewusst an die Ostsee gefahren waren, kam das 3:0 in Kiel zumindest in der Höhe unerwartet. Bei noch zwei verbleibenden Spielen in der zweiten Volleyball Bundesliga Nord liegt der VVH als Neunter nun fünf Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz, während der KTV direkt dahinter drei Zähler vor Hamburg bleibt.

Hatten in Kiel Grund zum Jubel: Tobias Schön, Lukas Prions, Tim Decker, Chris Schäperklaus (Foto: Lukas Brockmann)
Essen musste auf Kapitän Tim Dissmann (Libero) und Massimo Ostuzzi (Außen) verzichten. Der erste Satz verlief durchweg spannend. Mehrmals konterte Kiel eine Drei-Punkte-Führung der Gäste. Aus der sehr sicheren Annahme um Tobias Schön herum bediente Zuspieler Fynn Bach alle Positionen geschickt. Doppellizenz-Inhaber Tom Borchert, zurückgekehrt vom Erstligisten VCO Berlin und Lukas Prions waren auf Außen sehr dynamisch. Luc Lüfter stellte den KTV-Block mit Diagonal-Angriffen in die Drei-Meter-Zone vor große Probleme. Auch die Mittelblocker Tim Decker und Lucas Janscheidt punkteten verlässlich zum 25:23.
Im zweiten Abschnitt setzte Kiels Trainer Eric Koreng mit Routinier Jenne Hinrichsen einen neuen Impuls. Auf den erhöhten Druck der Adler reagierte der VVH bis zum 4:11 übermotiviert und scheitere zudem mehrfach an Libero und Silber-MVP Pelle Tepp. Nach der zweiten Essener Auszeit nahm der Satz ab 15:20 eine krasse Wende. Mit dem eingewechselten Jonas Espelage am Aufschlag gelang zunächst das 18:20. Lüftner mit Übersicht sowie Janscheidt mit zwei Blocks stehen stellvertretend für eine kämpferisch extrem starke Team-Leistung in der nicht nur satz- sondern letztlich auch spielentscheidenden Phase bis zum 25:22.
Fulminant in jeder Hinsicht verlief Satz drei für Humann. Das spektakuläre Zusammenspiel zwischen Gold-MVP Bach und Borchert aus dem Hinterfeld sowie erneut mit Janscheidt über die Mitte sorgte für das 13:8. Prions und Decker erhöhten auf 15:8, KTV-Eigenfehler sowie Rettungstaten von Schön ließen Humann sogar auf 18:8 davonziehen. Weil Essen nun alles gelang, reichte es für Kiel nur zu etwas Ergebnis-Kosmetik (23:16). Als Borchert die Partie mit einem Ass zum 25:16 beendete, hatte der VVH in der Hein-Dahlinger-Halle ein echtes Statement gesetzt. Gleichzeitig war das die Revanche für die 1:3-Niederlage in der Hinrunde.
Trainer Christoph Bielecki war hoch zufrieden. Für die anstehenden Partien bis zum Saisonfinale am 26. April mahnt er aber volle Konzentration an, da der Klassenerhalt noch nicht gesichert ist. "Wir wussten, was auf dem Spiel steht. Mit Warnemünde und Schüttorf haben wir noch zwei absolute Top Teams zum Abschluss und von allen Konkurrenten das schwerste Restprogramm. Wie die Jungs mit diesem Druck umgegangen sind, war fantastisch. Wir waren super fokussiert und hatten die nötige Aggressivität. Auch in Satz zwei sind wir ruhig geblieben und haben am Ende den Satz eiskalt zugemacht. In der Zehn-Minuten-Pause haben wir nochmal das Spiel der letzten Saison Revue passieren lassen. Damals haben wir 0:2 hinten gelegen, am Ende von Satz zwei eine riesige Führung verspielt und doch knapp gewonnen. Ein solches Drama wollten wir unbedingt verhindern und das Spiel in drei Sätzen gewinnen. Kompliment an das gesamte Team. Die Spieler auf der Bank waren lauter als das Kieler Publikum. Sie hatten ebenfalls riesigen Anteil am Sieg. Ausruhen können wir uns trotzdem nicht. Wir haben jetzt zwei Wochen Vorbereitung für Warnemünde."